Modisch und elegant gekleidet sein


In Berlin waren die Theaterkritiker noch 1794 entsetzt, als es eine Schauspielerin wagte, mit bloßen Armen aufzutreten; aber ein Jahr darauf hatte sich die "nackte" Kleidung in Preußen durchgesetzt. "Königin Luise liebte den Putz mehr als nötig war, sie konnte dem König nie modisch und elegant genug gekleidet sein. Die Mode war die sogenannte griechische Kleidung. Die Frauenzimmer hatten nur ein Hemd und ein möglichst dünnes Kleid an, in welchem alle ihre Formen sichtbar waren. Die Königin ging in dieser Mode voran", schrieb Marwitz. Die Herrenanzüge der Pariser Neureichen von 1796 waren auffallend und geschmacklos. Die Haare hingen verwildert über die Ohren. Auf dem Kopf saß ein riesiger Zweispitz. Der Frack mit breiten Revers und langen Schößen war absichtlich schlecht geschneidert. Die schlotternden Hosen zog man bis zur Brust, trug dazu halbhohe Stiefel und hielt einen Knotenstock in der Hand. Einen nach dieser Mode gekleideten Stutzer nannte man Incroyable, den Unglaublichen; sein weibliches Gegenstück Merveilleuse, die Wunderbare. Denn sie trat in einem Ballett mit einer unsichtbaren Chemise auf. Die Musselinkrankheit, wir würden heute Tuberkulose sagen, war die leider häufige Folge dieser merkwürdigen und für unser Klima unbrauchbaren Kleidung.


 
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