Festkleider und die weibliche Mode


Napoleon stürzte 1799 das Direktorium und machte sich zum Ersten Konsul, fünf Jahre später zum Kaiser. Die Weltmode hatte nach vorübergehender Abwesenheit bereits wieder 1796 ihren Thron in Paris aufgeschlagen. Unter dem Konsulat und besonders im napoleonischen Kaiserreich trieb man einen unerhörten Kleiderluxus. Am Hofe führte man prunkvolle Festkleider und Prachtuniformen ein, bestimmt, die mangelnde Sicherheit der Emporkömmlinge zu verbergen. Die weibliche Mode hielt zwar an der kurzen Taille fest, erlaubte aber eine Anpassung an das Klima. So kamen jetzt schwerere Stoffe auf, die sich auf Ober- und Unterkleider verteilten. Ärmel wurden wieder angeschnitten und der Halsschluß zugelassen. Der Rock wurde kürzer und fußfrei. Ein kurzes Jäckchen, Spencer genannt, verbarg die allzu hohe Taille und schützte zugleich vor Kälte. Der übertriebene französische Luxus - Kaiserin Josephine gab jährlich über eine Million Francs für ihre Toilette aus - war in den übrigen europäischen Ländern nicht nachzuahmen; denn die napoleonischen Kriege hatten Handel und Wirtschaft ruiniert. Die Herrenbekleidung wurde schlichter und männlicher. Die lange Hose und der Zylinderhut eroberten den Kontinent. Den Zopf gab man auf. In den Lebenserinnerungen Friedrich von Raumers findet sich eine interessante Stelle: "Es galt 1801 in Berlin für revolutionär, daß Kriegsrat von Schütz und ich die ersten waren, welche die Zöpfe abschnitten und statt kurzer lange Beinkleider trugen." Der farbige Frack blieb nach wie vor in Mode und wurde von Zivil und Militär getragen. Der elegante Herr trieb mit Gilet, der Weste, und dem kunstvoll gebundenen Halstuch gern Aufwand. Eine kurze, schoßlose Oberjacke, von Lord Spencer 1805 eingeführt, trug man über dem Frack.


 
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