Standestracht, Männeranzug


In der „Werthertracht" des ausgehenden 18. Jahrhunderts hatten manche deutsche Patrioten eine Art Nationalkostüm gesehen. Im Zeitalter der Freiheitskriege erhob man die Forderung nach einer "teutschen Tracht", die, nach Ständen geordnet, sich von der Kleidung der Nachbarvölker unterscheiden und deutscher Art Ausdruck geben sollte. Ernst Moritz Arndt machte sich zum Sprecher der Kleiderreformer und schrieb 1814: "Eine stehende Kleidertracht, deren Hauptgestalt fest wäre, würde für die Sitten das Ersprießlichste sein; unsere Jugend würde von vieler Geckerei und Gaukelei errettet, wenn wir von der Tracht unserer Vorfahren uns das Natürliche und Männliche wiedernähmen, das sie vor zwei- und dreihundert Jahren noch hatte." Die deutschen Modejournale nahmen diese Anregungen gern auf und veröffentlichten verschiedene Modelle. In der Praxis verhielt es sich anders. Nur vereinzelt erschienen Damen in einem weißen oder schwarzen Kleid mit geradefallendem Rock, Puffarmeln, Spitzenkragen und Federbarett. Der Männeranzug "aus der Ritterzeit" bestand aus halb weiter, langer Hose und einem hochgeschlossenem Rock mit hohem Kragen, manchmal verschnürt und mit Umlegekragen variiert. Der altdeutsche Rock wurde die Standestracht der Studenten. Die deutsche Tracht tat im Grunde nichts anderes als diejenige der französischen Revolutionäre: Sie wollte einer politischen Gesinnung Ausdruck geben. Sie bestand aus abgewandelten Formen der Tagesmode und konnte keinen Bestand haben.


 
Online Shop