Spanische Mode


Auch die Kleidung der Frau wird in der Neuzeit nicht mehr vom Hofe inspiriert. Königin Marie Antoinette, deren Leben 1793 unter der Guillotine endete, war die letzte gekrönte Herrscherin der Mode. Seit dem Directoire machen Schneider, Putzmacherinnen, Frisöre, hin und wieder Damen der Gesellschaft, aber vor allem Schauspielerinnen die Mode. Trotz aller Versuche in Wien, in Berlin und London, neuerdings in Italien, den Ton für die weibliche Linie anzugeben, blieb die Stellung der Pariser haute couture unangreifbar. Der Modekönig Calliaux lieferte 1831 die Brautkleider für Prinzessin Marianne der Niederlande, die den Prinzen Albrecht von Preußen heiratete, und heutzutage liefert immer noch Paris die Brautausstattung für die tonangebende Gesellschaft, sei es für die persische Kaiserin oder für die Fürstin von Monaco.
Von der spanischen Mode an bis ins 18. Jahrhundert hinein war die Kleidung der beiden Geschlechter aufeinander abgestimmt, ja sie war sich weitgehend ähnlich. Die weibliche Schnürbrust fand ihr Gegenstück im Wams mit Gänsebauch, der Reifrock verbreiterte auch die Schöße des Justaucorps. Stoffe, Farben, Ausputz, Perücken, Schmuck und Toilettemittel waren weithin die gleichen. Man hat nicht ganz zu Unrecht gesagt, daß die Kleidung dieser Zeit feminin gewesen sei. Die letzten 150 Jahre aber gehörten dem Manne, der das Maschinenzeitalter einführte. Es ist demnach selbstverständlich, daß der, nüchterne Herrenanzug nur noch geringe Veränderungen durchmachte. Erst neuerdings machen sich Tendenzen der Auflockerung bemerkbar. Neun Zehntel aller Männer werden von der Konfektion eingekleidet. Die Massenproduktion braucht ständig neue Aufträge, also müssen Bedürfnisse erweckt und der konservative Herrenanzug modisch geändert werden.


 
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