Englische Mode


Bereits um 1780, also vor Ausbruch der großen Revolution, war eine neue englische Mode in Kommen. Der Herrenanzug fand als "Werthertracht" in Deutschland Eingang. Der englische Landadel hatte diesen bequemen Anzug geschaffen, der es erlaubte, damit auch zu Pferde zu steigen. Ohne Zweifel haben ebenso die militärischen Uniformen wie die Trachten der nordamerikanischen Quaker und Puritaner dabei Pate gestanden, wie auf Raeburns Bildnis „Lieut.-Colonel Bryce McMurdo" deutlich wird. Man trug den rechtwinklig ausgeschnittenen und zugeknöpften Reitfrack, eine kurze Weste und Wildlederhosen. Im Schnitt lag nur ein geringer Unterschied zur Kleidung des ancien regime, jedoch nahm man jetzt Tuch und Leder statt Brokat, Seide oder Samt. Man bevorzugte für den Frack dunkle Farbtöne, meist Braun und Blau, für Weste und Hose Gelb. An Stelle der Schnallenschuhe trug der englische Landjunker hohe Stulpentiefel mit gelben Umschlägen. Das Haar wurde offen und ohne Verwendung von Puder getragen. Man setzte statt des protzigen Dreispitzes einen schlichten runden Filzhut aufs Haupt. Auch die Frauenkleidung wurde in dieser Zeit nachhaltig von England beeinflußt, das damit erstmalig auf die englische Mode einwirkte. Das Kleid - wir kennen es aus dem Gemälde "Der Morgenspaziergang " von Gainsborough und Bildern Reynolds - bekam einen bürgerlichen, zweckmäßigeren Zuschnitt. Der Reifrock, die Schnürbrust und die hohen Absätze wurden geopfert. Das Mieder wurde von einer Art Weste umschlossen. Der Rock blieb lang und faltig; es wurde aber der zum Sitzen geeignete Körperteil durch Raffungen oder durch Unterlegung mittels einer Turnüre betont. Ein dem Frack ähnliches Jäckchen, Caraco genannt, mit Revers und langen Ärmeln und weitem Ausschnitt kam auf. Diese Schoßjacke betonte die weibliche Schönheit an einer Stelle zu sehr, so daß man ein Fichu um die Schultern legte. Dieses Brusttuch wurde durch Auspolsterung zur Trompeuse, zur Betrügerin, und wuchs bis zum Kinn herauf. Das Haar ließ man in gepuderten Locken auf die Schultern fallen. Große Hüte mit Bändern und Federn, aber auch Strohhüte ersetzten den phantastischen Haaraufbau des späten Rokoko. Die Kleider wurden aus Kattun und Baumwolle hergestellt.


 
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