Mode für Kind


Die Kinder zogen aus der neuen Modelinie die größten Vorteile. Bisher waren Jungen und Mädchen wie die Erwachsenen gekleidet worden. Steif wie Marionetten zeigen uns Bildnisse des 17. und 18. Jahrhunderts diese Kleinen. Sie tun uns in ihrer überladenen Pracht herzlich leid. Seit 1780 kam in England, unter dem Einfluß der Aufklärung, eine vernünftige, kleidsame Kindertracht auf. Die Französische Revolution fand die englische Tracht vor, obwohl die Hofgesellschaft und der Adel noch im großen und ganzen an der kostspieligen alten Kleidung festhielten. Diese Hoftracht kam jetzt als Kennzeichen einer verhaßten Klasse in Mißkredit und wurde - wie so oft in der Kostümgeschichte - zur Lakaienuniform abgewertet. Die bürgerliche Partei zog mit Frack und rundem Hut, allerdings nicht mit Schaftstiefeln, sondern mit Halbschuhen und Strümpfen, in die Nationalversammlung ein. Mit zunehmender Radikalisierung erschien der Pöbel auf den Straßen und beherrschte Paris. Wohl oder übel mußte man die Tracht des Volkes anlegen. Sie bestand aus einer blauen Bluse, französisch Carmagnole, und langen Beinkleidern, Pantalons, die der englischen Matrosenkleidung entlehnt waren. Die Träger der Langhosen nannten sich Sansculotten, die „ohne Kniehosen" gehen. Auf dem ungekämmten Haar saß eine rote Zipfelmütze, das Abzeichen der Galeerensträflinge. Frankreich verlor für einige Jahre den Ruf, in der Mode tonangebend zu sein. Ein Berichterstatter schrieb bereits im Juni 1790, daß sich in Paris etwas Unerhörtes ereignet habe: Es seien seit sechs Monaten keine neuen Moden mehr erschienen. Seit 1791 trat dann mit dem Auftreten der Konfektion die Mode in einen neuen Abschnitt ein.


 
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